Können Sie sich vorstellen, dass eine belanglose Grußformel den Weg weist zu den größten Geheimnissen Ihres Lebens? Dass der Weg zu Ihrem Glück ein faszinierendes Abenteuer ist? Dass das Erlernen der Regeln, nach denen unser Schicksal sich formt, äußerst unterhaltsam und spannend sein kann? Lassen Sie sich überraschen von dieser ungewöhnlichen und wundersamen Geschichte, und – ganz im Ernst: Bitte wundern Sie sich nicht, wenn Sie plötzlich anfangen, Ihr Leben in einem völlig neuen Licht zu sehen ...
„(...) ein Buch, das seinesgleichen sucht. Obwohl ich schon sehr viel spirituelle Literatur gelesen habe und glaubte, dass mich nichts mehr überraschen könnte, hat mich diese Geschichte fasziniert, berührt und mir sehr gut getan.“
Lutz Tolksdorf, Geschäftsführer des NLG Buchservice, September 2006
„(...) Jedes Mal, wenn ich es [das Buch, Anm. d. Verlags] zugeschlagen hatte, fühlte ich eine Aufforderung zum Weiterlesen und wartete wissbegierig auf die Fortsetzung. Also ein spannendes Buch. (...) Wer will, kann sich damit unterhalten oder auch damit arbeiten. Ich tue letzteres.“
Eike Braunroth, EinSicht 4/2006
„(...) Wenn das Gefühl in uns über Zufriedenheit und Glück entscheidet, warum schaffen wir es dann nicht öfter, diesen Zustand zu erreichen? Warum setzt sich Destruktivität immer wieder durch? Curt Fredriksson schickt uns mit diesem Buch auf eine Expedition ins Glück, auf die Suche nach dem eigenen Selbst. Das ist ein Abenteuer, denn es gibt zwar bestimmte Regeln und geistige Gesetze, die allgemeingültig sind und uns Wegweiser sein könnten, jenseits davon muss aber jeder von uns auf die eigene innere Stimme hören, zur eigenen Kraft und Zufriedenheit finden.“
Bewusst Sein, Oktober 2006
Leseprobe:
Geschäfte
„Nun gut.“ Für einen Moment schaut er mich an. „Wir sollten unseren Kaffee nicht kalt werden lassen.“ Er füllt die Tassen und stellt das Milchkännchen vor mich: „Bitte.“
Seinen Kaffee trinkt er schwarz, scheint ihn zu genießen. Die Tasse hält er locker in der rechten Hand, dabei blickt er versonnen aus dem Fenster. Gepflegte, schmale Hände. Leicht gebräunt, kein Schmuck, eine dezente Uhr mit schwarzem Lederarmband. Markantes Gesicht, eine leichte Hakennase.
Er weiß ganz offensichtlich, was Pausen sind. Von draußen hört man erstes Vogelgezwitscher.
„Es wird Sommer“, sagt er, und mit einem flüchtigen Lächeln, das ich nur erahnen kann, fügt er leise hinzu: „Das ist gut.“
Wie er so da sitzt, erscheint nichts an ihm ungewöhnlich. Und doch bin ich beeindruckt. In seiner Haltung liegt der Ausdruck einer natürlichen Souveränität, mit einer klaren Botschaft an den Beobachter: Ich weiß, wer ich bin – ich weiß, was ich tue. Der Ausdruck seiner Erscheinung ist das genaue Gegenteil meiner momentanen Empfindungen. Krampfhaft suche ich nach einem Einstieg in ein Gespräch. Wie soll ich beginnen? Wo soll ich anfangen? Er scheint meine Schwierigkeit zu bemerken.
„Auch für mich ist das hier keine alltägliche Situation“, beginnt er. Er schaut immer noch aus dem Fenster. Dann, nach einer kleinen Pause, stellt er seine Kaffeetasse ab, wendet sich mir zu, schaut mich direkt an.
„Sehen Sie, ich habe selten Gäste. Es ist sicher nicht so, dass ich den Leuten gleichgültig bin. Es gibt immer einige, die an mir interessiert sind. Allerdings ist die Art und Weise, in der diese Leute sich mir nähern wollen, für mich nur selten motivierend.“ Wieder macht er eine kleine Pause.
„Nun“, fährt er fort, „ich kann natürlich verstehen, woher das kommt, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es mir nicht gefällt.“
Er schweigt, gießt Wasser in die mitgebrachten Gläser. Endlich, hier ist ein Ansatz für mich.
„Wie sind die Leute? Was ist es, was Sie an deren Verhalten nicht mögen?“
„Sie wollen dealen, sie wollen Geschäfte mit mir machen.“ Er lächelt, als er leise hinzufügt: „Das war immer schon schwierig, wenn man dem anderen nichts anzubieten hat.“
Froh, einen Einstieg gefunden zu haben, hake ich nach: „Wollen Sie denn keine Geschäfte machen?“ Ich deute in den Raum. „Das alles hier, dieses Anwesen, woher kommt das, wer finanziert das?“
„Ja“, sagt er, „das ist eine gute Frage, woher kommt das?“ Es vergeht ein kurzer Moment, bevor er weiterspricht, so als wollte er sicher sein, mir die richtige Antwort zu geben.
„Sehen Sie, ein Geschäft ist ein angenehmes Ereignis. Wie jeder andere mag ich angenehme Ereignisse.“ Als wolle er auf etwas Wichtiges hinweisen, hebt er andeutungsweise seinen rechten Zeigefinger, während seine Hand dabei ruhig auf der Sessellehne liegen bleibt.
„Der Unterschied zwischen jenen Leuten und meiner Person ergibt sich aus der Tatsache, dass ich keine Geschäfte mache.“
Mir fällt auf, wie sparsam er mit seinen Gesten umgeht. Er spricht in einem ruhigen Tempo und an manchen Stellen unterstreicht er den Ausdruck seiner Rede durch kleine Pausen.
„Alle Dinge kommen aus dem Nichts und dahin werden sie auch zurückkehren. Alles ergibt sich, alles ist einfach. Das Einzige, was ich dabei zu tun habe, ist, die Entstehung der Dinge nicht zu behindern“, und während seine Arme immer noch entspannt auf den Sessellehnen ruhen, fügt er fragend, mit leicht offenen Handflächen hinzu: „Aber warum sollte ich das tun, warum sollte ich in einen natürlichen Kreislauf eingreifen?“
Diese Frage war ja wohl rhetorisch gemeint, also antworte ich nicht. Er deutet in Richtung der Fenster.
„Sehen sie die Bäume da, dort vor dem Haus?“ Ich beuge mich leicht vor und sehe schemenhaft einige hohe Bäume jenseits einer großen Rasenfläche.
„Die Bäume sind da und sie wachsen. Das tun sie einfach so. Was erwarten Sie, sollte ich dabei tun, außer mich daran zu erfreuen?“
Auch darauf scheint er keinen Kommentar von mir zu erwarten, denn er redet sofort weiter.
„So wie ich keine Bäume mache, so mache ich keine Geschäfte. Die geistige Einstellung, das Machen, das ist das Problem der Leute.“
Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu, wobei er mich direkt und fragend ansieht: „Ungeachtet der Tatsache, was meinen Sie, was jene Leute mir anbieten könnten?“
Die Qualität der Macht
Offensichtlich will er jetzt eine Antwort. Eigentlich sollte ich ihm die Fragen stellen. Wer fragt, der führt – oder vielleicht nicht? Um Zeit zu gewinnen, nehme ich einen Schluck Wasser. Worauf will er hinaus? Offensichtlich ist er in guter körperlicher und geistiger Verfassung. Er scheint vermögend zu sein. Ich habe den Eindruck, ihm fehlt es an nichts. Natürlich ist er an Macht und Einfluss interessiert! Darum geht es ja meistens, wenn ein gewisser Reichtum vorhanden ist. Sein Geschwafel über das Nichts kann er sich schenken. Ich werde ihn mit dem konfrontieren, was man ihm im Allgemeinen nachsagt. Ich bin gespannt, wie er sich da herauswindet.
„Ich denke, die Menschen könnten sich selbst anbieten, sie könnten Ihnen ihre Seelen verkaufen.“
Kaum eine Reaktion auf der anderen Seite. Immer noch sieht er mich fragend an. Nur seine linke Augenbraue hat sich etwas nach oben bewegt. Ansonsten zeigt sein Gesicht keine Regung. So verharrt er einen Moment.
„Was meinen Sie damit?“
Mist! Er hat mich erwischt! Damit hätte ich rechnen müssen! Ich suche nach den richtigen Worten. Er hat sich zurückgelehnt und wartet. Vielleicht hilft mir eine Gegenfrage.
„Jeder Mensch hat doch eine Seele, oder?“
Er lächelt: „Vielleicht könnte ich Ihnen die Frage beantworten, wenn Sie mir zuvor sagen könnten, was eine Seele ist. Wenn Sie den Begriff verwenden, gehe ich davon aus, dass Sie wissen, wovon sie da reden. Ich weiß es jedenfalls nicht.“
Sein Lächeln ist verschwunden. Fragend schaut er mich an. Ich sollte jetzt antworten, aber was? Er lässt mir Zeit. Ich merke, dass ich leicht ärgerlich werde. Der Begriff ist doch selbstverständlich, jeder gebraucht ihn. Haarspalterei! Der soll sich nicht so anstellen! Aber trotz meines Unmuts, ich komme nicht weiter. Bevor ich anfange, erneut aus einer schwachen Position zu argumentieren, sollte ich lieber meinen Mund halten. Statt einer Antwort zucke ich mit den Achseln. Da ich offensichtlich keine eindeutige Erklärung liefern kann, beginnt er mit leiser Stimme zu reden.
„Sehen Sie, Sie sind mein Gast. Als solcher respektiere ich Sie und natürlich werde ich Sie höflich behandeln. Es liegt mir fern, Ihre Gefühle zu verletzen, dennoch ist es zu Beginn unseres Gesprächs vielleicht sinnvoll, einige Dinge zu klären.“
Er sieht mich ernst an. „Ich denke, wir sollten hier nicht unsere Zeit vergeuden. Ungeachtet der Tatsache, dass mir unendlich viel davon zur Verfügung steht, so möchte ich die Ihre nicht verschwenden.“ Er macht eine kurze Pause, so als wollte er seine nächsten Ausführungen überdenken.
„Wenn Sie Begriffe aus der Glaubenswelt, der Mystik oder der Metaphysik verwenden, führen Sie das Gespräch auf eine Ebene, die Sie nicht beherrschen können. Das liegt mit Sicherheit nicht an Ihnen, sondern an der Komplexität solcher Bereiche und den unbestimmten Begrifflichkeiten, die im Allgemeinen dort anzutreffen sind. Alles, was Sie dazu sagen könnten, wäre lediglich eine umschreibende Form dessen, was Sie selbst mit Ihren Gefühlen schwer erfassen können.“
Wieder eine dieser Pausen, die für seine Rede charakteristisch zu sein scheinen.
„Selbst wenn Sie wüssten, wovon Sie reden, was zugegebenermaßen schon außergewöhnlich wäre, würden Ihnen die Worte fehlen, Ihr Wissen auszudrücken. Und selbst wenn Sie sich richtig ausgedrückt hätten, wie könnten Sie sicher sein, dass Ihr Gegenüber Sie verstanden hat?“ Mit ruhigen Bewegungen gießt er uns Kaffee nach. Dann wendet er sich mir wieder zu.
„Wie Sie gehört haben, musste ich für meine Ausführungen einige Konjunktive verwenden. Nach meinem Verständnis ist schon eine Form der Möglichkeit mit Achtsamkeit zu betrachten, aber gleich eine ganze Kette? Wohin sollte uns das führen?“ Die Frage begleitet er mit einer kurzen Geste seiner Hände.
„Wenn wir uns auf dieser Ebene begegnen, werden wir nicht wissen, wovon wir reden. Und wenn wir nicht wissen, wovon wir reden, stellt sich die Frage, warum wir es überhaupt tun sollten?“
Er schweigt, und da ich keine Anstalten mache, irgendetwas zu sagen, spricht er weiter.
„Ein philosophisches Gespräch, eine Diskussion über die Zeit, die Betrachtung von Glaubensfragen, eine Plauderei über die Mystik des Mittelalters, was immer Sie wollen. Aber wohin sollte uns das führen? Und vor allem, wohin sollte Sie das führen? In der Welt der Subjektivität ist alles möglich. Eine Meinung gegen die andere. Eine Spekulation für die nächste. Man kann darüber streiten, man kann es aber auch lassen. Jede Position ist dabei so richtig, wie sie auch falsch ist. Solche Gespräche können Sie mit jedem führen. Von mir aus auch mit mir. Aber was hätten Sie davon? Es würde Ihnen kein Verständnis bringen.“
Nach einigen Sekunden, in der er meine Reaktion abzuschätzen scheint, spricht er weiter.
„Mit Sicherheit sind in solchen Gesprächen die Missverständnisse vorprogrammiert. Was es bedeutet, wenn man beliebige Denkpositionen mit dem Etikett der Wahrheit beklebt und anschließend unter die Menschen bringt, kann ein jeder der Geschichtsschreibung entnehmen. Auch wir beide könnten daraus lernen und uns zumindest in unserem Gespräch um Wahrhaftigkeit bemühen.“ Mit den letzten Worten hat er sich etwas zu mir hingebeugt, sieht mich offen und fragend an: „Verstehen Sie mich?“
Verstehen tue ich das schon, aber ich fühle mich von seiner Argumentation überfahren und irgendwie zurechtgewiesen. Meine Eitelkeit ist angekratzt. Er behandelt mich wie ein Kind.
Sicher ist der Begriff der Seele nicht klar abgegrenzt, und mir fällt schwer, eine genaue Definition zu liefern. Irgendwie weiß ich, dass er Recht hat mit dem, was er gesagt hat. Aber trotzdem, ich will mich nicht so abspeisen lassen. Und außerdem, was redet er hier von Wahrhaftigkeit? Er ist der Allerletzte, dem ich eine solche Eigenschaft abnehmen würde. Nein, da muss er sich schon was anderes einfallen lassen.
Er scheint mein leichtes Kopfschütteln zu bemerken. „Gut, wenn das für Sie wichtig ist, dann lassen Sie uns zu Ihrer Eingangsbemerkung zurückkehren und hypothetisch deren Vorgaben folgen. Nehmen wir an, da möchte mir ein Mensch seine Seele anbieten im Tausch gegen Macht, Ruhm, Wissen, Erfolg oder, einem beliebten Thema der klassischen Literatur folgend, um die Liebe eines anderen Wesens zu gewinnen. Für den Fall, dass ein Ding mit der Bezeichnung Seele gar nicht existiert und es sich hierbei nur um einen Sammelbegriff für geistige Eigenschaften handelt, der in Verbindung mit einer nebulösen, wie auch immer geprägten, individuellen oder kulturellen Vorstellung im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet wird, bekomme ich wenigstens die Mitarbeit dieses Menschen, seine Anhängerschaft oder auch nur seine Verehrung.“
Er sieht mich fragend an: „Ist das die angenommene Ausgangslage?“
Ich nicke und er redet weiter.
„Fein! Nehmen wir an, dieser Mensch bekommt durch meine Unterstützung genau das, was er sich gewünscht hat. Und dann? Was geschieht dann?“
Offensichtlich bin ich jetzt an der Reihe, aber ich weiß darauf keine Antwort.
„Ich weiß nicht“, sage ich.
Er nimmt seine Kaffeetasse, und, noch bevor er daraus trinkt, sagt er zu mir: „Sehen Sie, genau wie Sie, weiß ich es auch nicht.“
Er trinkt, stellt langsam seine Tasse ab und sieht mich an.
„Wenn Sie erlauben, möchte ich der gemeinsamen Betrachtung noch eine andere hinzufügen. Im Privaten wie im Geschäftlichen gibt es eine Position von besonderer Qualität. Hier zeigt sich die Güte Ihres Managements, hier ist seine Qualität für jedermann offensichtlich. Nirgendwo sonst werden Ihre Entscheidungen eine größere Wirkung auf Ihr Leben haben. Hier offenbart sich das Bild ihrer Persönlichkeit. Die Güte Ihres Denkens und Handelns erhellt sich durch die einfache Frage: ‚Mit welchen Menschen wollen oder müssen Sie aufgrund der Struktur Ihres Geistes Umgang haben?’“
Das eben Gesagte ist ihm offensichtlich wichtig, denn wiederum schaut er mich prüfend an. In seinem Gesichtsausdruck scheint die Frage zu liegen, ob ich ihn verstanden habe. Also nicke ich leicht, murmele meine Zustimmung.
Er redet weiter: „Nehmen wir mal an, die Seele eines Menschen wäre tatsächlich mehr als ein Begriff. Sie wäre existent, einzigartig und sehr kostbar. Nehmen wir weiterhin an, dass ein Mensch sie für irgendetwas anderes bei mir eingetauscht hätte. Nun müsste er mir zu Diensten sein. Denken Sie, ich würde diesen Menschen durch einen Handel an mich binden wollen? Auf welches Niveau müsste ich mich da begeben? Was sollte ich mit jemandem anfangen, der sich auf ein so schlechtes Geschäft einlässt? Was, außer ewigem Ärger, hätte ich mir da eingehandelt?“
Mit einem Lächeln, fast ein wenig schelmisch, fügt er hinzu: „Womit hätte ich das verdient?“
Damit kann er Recht haben, das kann ich nachvollziehen. Ich hätte ebenfalls kein Interesse an einem solchen Idioten. Was mir auffällt, ist ein leiser Humor, der in seinen Ausführungen mitzuschwingen scheint. Aber egal, ob er Humor hat oder nicht, die Sache ist für mich noch nicht erledigt. Das Thema zieht sich schließlich durch alle Kulturen. Das Böse kämpft gegen das Gute, im ewigen Widerstreit um die Herrschaft der Welt. Mag schon sein, dass ihm das Niveau meiner Fragen nicht gefällt, aber das ist nicht mein Problem.
Ich setze nach: „Angenommen es ist nicht nur einer, angenommen es sind viele Menschen, die Ihnen dienen müssten?“
Er sieht mich erstaunt an: „Was würde sich ändern? Wenn ich den einen nicht gebrauchen kann, was sollte ich dann mit vielen?“
„Wenn es ganz viele sind, könnten Sie dann nicht die Welt beherrschen?“, frage ich.
„Die Welt beherrschen?“ – Er wiederholt den letzten Teil meiner Frage, als hätte ich ihm gerade eine tote Seemöwe zum Kauf angeboten.
Er schüttelt leicht den Kopf.
„Die Welt beherrscht sich selbst, was gibt es da zu beherrschen?“
„Nein“, beharre ich, „ich rede von einem Regime, in dem alle Menschen Ihnen zu dienen haben.“
Er schaut mich zweifelnd an: „Und das ist gut?“
Ich bin ein wenig perplex und suche nach Worten.
„Vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt“, sage ich, um erneut Zeit zu gewinnen.
Er kommt mir zu Hilfe. „Bedienen wir uns erneut der Hypothese. Nehmen wir an, es wäre so. Die Menschheit ist durch ein globales Regime organisiert und Sie schlagen mir vor, dem Regime beizutreten, um in verantwortlicher Position dort leitend tätig zu werden.“
Für einen Moment habe ich das unangenehme Gefühl, meine Position wieder nicht vollständig durchdacht zu haben.
Er schaut mich an. „Geht es Ihnen gut?“
„Ja, ja, bestens, machen Sie nur.“ Ich atme durch und lehne mich zurück.
„Gut, dann sagen Sie mir, was eine Herrschaft über ein solches System für mich bedeuten würde? Was wäre mein Lohn für ein solches Engagement?“
Etwas unschlüssig zögere ich mit meiner Antwort.
„Ungeheure Macht?“
Er nickt, so als hätte er meine Antwort erwartet.
„Was die Größe einer solchen Macht angeht, so möchte ich diesen Ausdruck ein wenig relativieren. Das möchte ich, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, mit dem Hinweis auf die Ihnen zur Zeit bekannte Größe des Universums.“
Er erwartet scheinbar meine Zustimmung. Seinen Einwand kann ich nachvollziehen. Noch kürzlich hatte ich gelesen, dass die derzeitigen Schätzungen bei 140 Milliarden Galaxien liegen.
„Ja, kein Problem“, sage ich nickend und er spricht weiter.
„Um Ihnen meinen Standpunkt zu verdeutlichen, möchte ich Sie bitten, sich einmal für einen Moment gedanklich in die Position zu versetzen, von der Sie meinen, dass sie mich interessieren würde.
Stellen Sie sich vor, Sie ständen an der Spitze eines Regimes, in dem alle Menschen die eigene Macht und die damit einhergehende Verantwortung an Sie persönlich abgegeben haben. Nun halten Sie die Macht über Milliarden von Menschen in ihren Händen, die Sie als das mächtigste Wesen betrachten und als solches verehren. Wie wäre das?“
Ich versuche mir das vorzustellen, finde aber keinen rechten Zugang. Eine solche Vorstellung ist mir fremd. So wenig, wie ich mir die Größe eines Universums vorstellen kann, so wenig kann ich mich in eine solche Situation hineinversetzen. Ich schüttele leicht meinen Kopf: „Das kann ich mir nicht vorstellen.“
„Wenn Sie mir ein solches Motiv unterstellen und Sie meine Ansicht verstehen wollen, sollten Sie sich einmal die Mühe machen, die Situation gedanklich nachzuvollziehen“, sagt er, wobei die Geste seiner Hände um Verständnis zu werben scheint. Dann fügt er hinzu: „Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen die angenommene Situation noch ein wenig genauer beschreiben. Vielleicht verstehen Sie mich dann?“
Ich nicke zustimmend. Er überlegt, während er für einen Moment mit seinem Blick die Zimmerdecke fixiert, so als würde er in seinem Gedächtnis nach passenden Bildern suchen.
„Also, nehmen wir an, Sie stehen an der Spitze eines Systems. Sie sind die absolute Autorität. Sie regieren über Milliarden von Menschen, die sich einbilden, lügen zu können, ohne die Wahrheit zu kennen. Die Menschen widmen Ihnen das eigene Leben, ohne es zu beherrschen. Sie versprechen Ihnen ihre Seele, ohne zu wissen, wovon sie da reden. Alle zusammen agieren in Ihrem Namen, aber keiner kennt Sie. Ihre Untertanen sind bereit, alles und jeden zu opfern für ein loses Versprechen auf eine bessere Zukunft. So wie sie jedem blind folgen, der behauptet, Ihnen besonders nahe zu stehen, sind sie auch bereit, jedem mit Gewalt zu begegnen, der die Autorität Ihrer Herrschaft und die Meinung der selbst ernannten Interpreten Ihres Willens in Frage stellt.“ Er schweigt für einen Moment, redet dann weiter.
„Wie ich das sehe, würden Sie über ein Heer von Möchtegernbetrügern, Mitläufern, Heuchlern und Scheinheiligen regieren. Im Schlepptau dieser Gesellschaft befinden sich die noch unschuldigen Kinder. Den Kindern bringt man nach Kräften und so schnell wie möglich das Einmaleins der Ohnmacht bei. Jedes Kind muss wie das andere werden, sonst wird die Meute es überfallen.“
Mit einer gelassenen Geste seiner Hände deutet er mir das Ende seiner Rede an.
„Das wäre die Herrschaft, über die wir hier reden. Was glauben Sie, wie mächtig wären Sie in einer solchen Position? Welche Qualität hat die Macht, die Ihnen die Ohnmächtigen verliehen haben?“ Er wartet einen Moment, und als ich nicht antworte, fügt er fragend hinzu: „Können Sie sich vorstellen, wie sich eine solche Macht für Sie persönlich anfühlen würde?“
Kurzer Prozess!
Ich bin konsterniert. Irgendwie erscheint mir das Bild vollkommen überzeichnet. Ich fühle mich von ihm überrumpelt und will protestieren, aber was soll ich ihm darauf antworten?
Er sieht mich immer noch an, als studiere er meine Reaktion. Seine Ausführungen sind eine Provokation. Oder? Ich spüre, dass ich ärgerlich werde, aber ich bleibe ruhig. Er irrt sich, wenn er meint, ich würde mich von ihm provozieren lassen. So lange er höflich bleibt, bin ich es auch. Ich bleibe sachlich!
„In meiner Vorstellung fühlt sich so etwas nicht gut an. Ganz sicher wollte ich eine solche Position nicht. Aber um mich ging es hier nicht.“
Er nickt leicht mit dem Kopf. „Ja, wahrscheinlich nicht.“
Ich stutze. Warum hat er ‚wahrscheinlich’ gesagt? Was will er damit andeuten?